Quelle: Foto: Y. Ortega Quiñonez

elikat – kleine glutenfreie, laktosefreie, fructosearme oder vegane Kuchen im Glas

Wir möchten euch zwei Freundinnen aus Hamburg mit einer wirklich guten Idee vorstellen.

elikat vertreibt kleine Kuchen im Glas im eigenen Online-Shop. Die Produkte sind in erster Linie für Menschen mit ein oder mehr Lebensmittelunverträglichkeiten gedacht, aber auch Ernährungskonzepte wie vegan werden angeboten. Gegründet wurde die Firma 2015 von den beiden Freundinnen Feli und Katrin aus Hamburg. Wir haben mit der Mitgründerin Katrin über die Kuchen, den Shop und das Leben mit einer Fructose- und Laktoseintoleranz gesprochen. Außerdem haben wir natürlich ihre Kuchen auf Herz und Nieren getestet.

Wer jetzt schon Appetit hat, schaut direkt bei den beiden vorbei: http://www.elikat-shop.de/

Hier geht’s direkt zum Kuchentest.

      

Katrin, Du leidest unter ein Lacktose- und Fructoseintoleranz. Wie sehr hat das Dein Leben beeinflusst?

Zunächst sehr negativ. Ich bin ein totaler Schokoholiker, ich liebe Süßes über alles. Und wenn Du auf einmal feststellst, dass Du nicht mehr in den Supermarkt gehen und irgendwelche Bonbons oder Schokolade kaufen kannst, ist das echt blöd. Anfang letzten Jahres hatte ich stellenweise richtig miese Laune, weil meine Intoleranzen so sehr mein Leben bestimmt haben, dass ich zunächst nicht damit umgehen konnte. Immer darüber nachdenken zu müssen, was man essen darf und was nicht, schränkt einen sehr ein. Neben dem Gefühl des Verzichts kommen dann auch noch körperliche Aspekte zum Tragen. Wenn man mit einer Fructoseintoleranz etwas mit normalem Zucker isst, wird im Körper ein Neurotransmitter blockiert, der Serotonin bildet. Das bedeutet im Klartext, wenn Menschen ohne Fructoseunverträglichkeit Zucker essen, führt das bei ihnen zu einem Glücksgefühl. Bei mir zunächst auch, aber nur weil mein Heißhunger auf Süßes gestillt war. Kurze Zeit später allerdings bin ich immer in ein kleines schwarzes Loch gefallen. Ich hatte schlechte Laune, war antriebslos, zickig und stellenweise todunglücklich.
Zusätzlich zur Gemütslage, hatte ich starke Hautprobleme. Wenn ich zuckerhaltige Lebensmittel gegessen habe, wurde meine Haut rot, trocken, schuppig und ich bekam kleine Pusteln. Ohne Make Up das Haus verlassen? Undenkbar!

Das habe ich aber auch erst Stück für Stück herausgefunden. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich bemerkt und verstanden habe, in wie weit mein Essverhalten Einfluss auf meinen Körper und meine Gefühlslage hat.

Heute weiß ich, was ich essen darf und was nicht. Meine Unverträglichkeiten bestimmen nicht mehr mein Leben. Jetzt bemerke ich nur, dass das Thema nicht einfach ist, wenn ich Freunden erklären will, worauf sie achten müssen, wenn sie für mich kochen oder backen wollen. Da kommt schnell eine längere WhatsApp zustande. Von daher ist es schon nicht einfach, aber man gewöhnt sich daran.

Geht es Dir denn jetzt viel besser, dadurch, dass Du auf diese Dinge verzichtest?

Ja, auf jeden Fall. Da ich weiß, was ich habe und worauf ich achten muss, gehe ich entspannter mit mir selbst und Alltagssituationen um. Das wirkt sich natürlich auch auf mein gesamtes Umfeld aus. Auch mein Hautbild hat sich um einiges verbessert. Rote Pusteln und trockene schuppige Haut? Dies habe ich nun deutlich weniger.

Und wie ist es mit deiner Lust auf Süßes?

Meine Lust auf Süßes ist immer noch da. Aber reduzierter.

Wie ist dann elikat entstanden?

elikat ist entstanden, weil ich (Katrin) mich in Gesellschaft nicht immer erklären wollte, was ich essen darf oder nicht. Ich wollte, dass es nicht auffällt, dass ich keinen Zucker essen kann und will. Wenn ich zum Beispiel mal zum Geburtstag eingeladen war und alle um mich herum haben ein Stück Kuchen gegessen, wollte ich auch gern ein Stück Kuchen essen. Die fructosearmen Produkte, die ich in einigen Reformhäusern oder Bio-Läden gefunden haben, haben mir nicht geschmeckt, waren mir zu trocken oder zu wenig süß. Ich wollte nicht das Gefühl haben, dass ich gerade auf etwas verzichte. So ist die Grundidee von elikat entstanden – Ich möchte nicht verzichten.

Feli hat das in dieser Zeit mitbekommen. Sie wollte mir helfen, in meinen Süß-Attacken auch etwas Süßes essen zu können und versuchte zwei fructose und laktosefreie Kuchen zu backen. Zwar ging das erst mal gründlich schief, doch gemeinsam haben wir dann angefangen zu recherchieren, wie man Fructose in Kuchen ersetzen kann, so dass es schmeckt. Laktosefrei ist heutzutage ja kein Problem mehr. Fructosefrei oder -arm war schon mehr die Herausforderung für uns.

Gleichzeitig haben wir in unserem Freundes- und Bekanntenkreis immer mehr festgestellt, dass es einige Leute mit Lebensmittelunverträglichkeiten gibt oder die eine spezielle Ernährungsweise führen. Für genau diese haben wir dann auch versucht etwas Leckeres zu kreieren.

In der Zeit des Rumprobierens ist dann die Idee unseres eigenen Online-Shops entstanden. Warum nur für uns backen? Es gibt schließlich mehr Leute, die einfach und unkompliziert was Süßes haben wollen. Im November 2015 haben wir uns endgültig überlegt „Wir machen das“, wir bauen unseren eigenen Online Shop. Und am 4.12.2015 sind wir dann mit den ersten Kuchen live gegangen.

Und wie erkenne ich jetzt, welcher Kuchen für wen geeignet ist?

An den Namen. Anstelle die Kuchen groß und breit zu beschreiben, was jetzt enthalten ist oder was nicht, geben wir den Kuchen Namen, die immer für das Gleiche stehen.

  • Jeder Gloria-Kuchen ist so z.B. mit glutenfreiem Mehl gebacken.
  • Jeder Kuchen mit Frauke im Namen ist fructosearm.

Und wofür steht dann z.B. der Name Max?

Der erste Name des Kuchens steht für die Art des Kuchens.

  • Max steht für Marmorkuchen.
  • Unser Hinrich ist z.B. Himbeer-Kuchen.

Wie kommt ihr jetzt beim Backen ohne Fructose aus?

Zu wissen, was wir wie ersetzen können, war ein süßer und klebriger Weg.

Zunächst haben wir versucht Zucker mit reinem Traubenzucker (Glucose/Glukose oder Dextrose genannt) zu ersetzen. Normaler Haushaltszucker besteht ja aus einem Teil Fructose, was wir vermeiden wollten, und aus einem Teil Glucose. Also dachten wir, lassen wir das eine weg und backen eben nur mit dem anderen. Die Backergebnisse waren nicht zu 100% zufriedenstellend. Der Kuchen war uns zu wenig süß und der Teig wurde stellenweise auch zu flüssig. Danach haben wir versucht mit Reissirup zu backen. Die Ergebnisse waren klebrig, matschig und kein bisschen fluffig.

Nun variieren wir je Rezept. Wollen wir Honig in einem Rezept ersetzen, z.B. bei Lebkuchen, nehmen wir Reissirup. Ist im Rezept Zucker angegeben, nutzen wir Getreidezucker. Der Getreidezucker, den wir verwenden, ist laktosefrei, fructosefrei und auch glutenfrei. Somit ist er für unsere Kuchen am besten geeignet.

Wie kam es zu der Idee, die Kuchen in ein Glas zu stecken?

Viele Menschen haben zu Hause einen kleinen Vorratsschrank mit Süßem. Hier werden Chips, Schokolade und Gummibärchen gelagert und können immer dann rausgeholt werden, wenn man Appetit hat. Da unsere Kuchen ohne Konservierungsstoffe gebacken werden, würden sie schlichtweg zu schnell verderben. Meine Oma meinte dann „Also früher haben wir immer alles eingeweckt.“ Also haben wir angefangen unsere Kuchen direkt im Glas zu backen und danach zu verschließen. Dadurch entsteht ein Vakuum und die Kuchen sind länger haltbar. Aktuell geben wir ein Vierteljahr an. Wir testen gerade noch von unseren ersten Kuchen, ob auch ein halbes Jahr möglich ist und die Kuchen weiterhin frisch und lecker schmecken.

Was möchtet ihr mit eurem Shop konkret bewirken?

Unser Shop ist an verschiedene Leute gerichtet.
Zum einen an die Menschen, die gerade auf etwas verzichten wollen oder müssen, aber keine Zeit haben, sich selbst etwas zu backen.

Auf der anderen Seite richtet sich unser Shop an Kollegen, Freunde, Verwandte, Nachbarn also alle, die absolut keine Ahnung haben, worauf machen achten muss, wenn man z.B. fructosearm backen will, die aber trotzdem jemandem eine Freude machen und etwas Süßes anbieten wollen.

Gibt es denn auch den ultimativen Kuchen für Jedermann, der laktosefrei, glutenfrei und vegan ist?

Mit unseren neuen veganen Kuchen haben wir fructosearm und laktosefrei gut miteinander kombinieren können. Unser Scott-Gloria ist vegan und glutenfrei.

Wir arbeiten weiter daran, dass wir auch einen Kuchen anbieten können, der alles abdeckt. Das wird aber nicht mit jedem Kuchen funktionieren.

Ganz neu: Mit dem Zion-Gloria-Frauke-Lara gibt es jetzt auch den "ultimativen Kuchen im Glas", der mit glutenfreiem Mehl gebacken ist und außerdem auch noch fruktosearm, laktosefrei und vegan ist.

Wie viel Zeit investiert ihr denn in das Backen?

Für das Ausprobieren neuer Rezepte oder das Verfeinern der vorhandenen Kuchen backen wir eigentlich jede Woche. Für den Online-Shop backen wir nicht selber. Hier haben wir befreundete Café-Besitzer, deren Konditoren die eingegangenen Bestellungen in unserem Auftrag backen.

Ihr habt beide ja noch einen normalen Full-Time-Job.
Wie bringt ihr das mit eurem elikat-Shop unter einen Hut?

Wir treffen uns regelmäßig, telefonieren oder Skypen. Dabei besprechen wir, was wir als nächstes tun wollen. Der Vorteil zu zweit zu sein ist, dass man sich reinteilen kann. Jeder macht so viel, wie er im Moment leisten kann.
Für alles was wir nicht selber können, haben wir gute Freunde, die uns unterstützen. Sei es mit Produktfotos, Texten oder Print-Sachen.
Auch unsere Arbeitgeber stehen hinter uns und unserer Idee. So konnten wir unsere Vollzeitstellen auf 90% kürzen und haben einen Nachmittag in der Woche für elikat Zeit.
Mit ein wenig Organisation und der Unterstützung von Familie, Freunden und Kollegen klappt beides zusammen recht gut.

Was für Tipps habt ihr für Menschen, bei denen gerade eine Lebensmittelunverträglichkeit diagnostiziert wurde?

Der wichtigste Rat ist: nicht unterkriegen lassen.

Wir leben zum Glück in Zeiten des Internets. Es gibt so viele Seiten, Blogs oder Foren, in denen Betroffene sich austauschen und Hilfestellungen geben. Die Frage nach „Was soll ich jetzt noch essen“ kann so sehr schnell beantwortet werden, wenn man auf diesen Seiten ein wenig surft.

Mir (Katrin) hat zunächst eine Karenzzeit geholfen. Erstmal meinen Körper runterholen. Auf alles verzichten, was ich gerade nicht mehr vertrage. Hier gibt es verschiedene Bücher und auch online verschiedene Ernährungstagebücher. Danach heißt es einfach ausprobieren. Stück für Stück habe ich geschaut, was ich essen kann und was nicht.  Gerade bei Laktose und Fructose sind die Schwellen sehr unterschiedlich und von Person zu Person verschieden. Der eine kann noch problemlos ein Glas Milch trinken, während ein anderer schon Magenprobleme bei einem Stück Käse bekommt. Bei Obst ist es gefühlt noch schwieriger eine Aussage zu treffen. Ich (Katrin) konnte z.B. gar kein Obst mehr essen. Jetzt geht ein kleiner Apfel wieder, aber noch immer keine Bananen.

Also immer wieder mal ausprobieren, nicht unterkriegen lassen und einfach weiter recherchieren.

Vielen Dank für das Interview, welches Y. Ortega Quiñonez mit Katrin geführt hat.

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